Heute 30-Jährige zahlen die Zeche
Das hätte bedeutet: Ein "Neurentner" des Jahres 2011 verliert im Vergleich zu einem Ruheständler des Jahres 2010 lebenslang 0,3 Prozent seiner Rentenansprüche. Wer 2012 in Rente geht, bekommt 0,6 Prozent weniger - und so weiter. Den vollen Abschlag von sechs Prozent bekommen erstmals die Rentnerjahrgänge ab 2030 zu spüren. Als Folge davon sinkt das Rentenniveau nach Riesters Rechenmethode von derzeit 70 auf 64 Prozent. In den zwei Jahrzehnten von 2011 bis 2030 gibt es für den statistischen Durchschnittsrentner kein einheitliches Rentenniveau.

 

Beitragsstabilität als Ziel
Riester begründete den Ausgleichsfaktor damit, dass die jüngere Generation bis zum Jahr 2030 zwei Jahre länger leben und damit auch zwei Jahre lang länger Rente beziehen wird. Der Faktor sollte bewirken, dass die längere Rentenauszahlung - die zu Mehrbelastungen der Rentenkassen von zwölf Prozent führen - mit der Höhe der monatlichen Rente verrechnet wird. Er sollte auch dazu beitragen, dass die Beiträge bei weiter steigender Rentnerquote nicht unkontrolliert steigen. Nach dem ursprünglichen Willen der Regierung sollte der Beitragssatz (derzeit 19,3 Prozent) bis 2020 unter 20 Prozent gehalten werden und bis 2030 nicht über 22 Prozent klettern.

Mit Material von dpa

 

 

 

P R E S S E S T I M M E N

"Die Jüngeren werden schamlos abgezockt"


"Coburger Tageblatt": "Man hole sich die Milliarden direkt von den Beitragszahlern, ohne Umweg über die Rentenversicherung. Dann bleiben die Beiträge wie verlangt stabil - dafür allerdings belasten die neuen Tariffonds zur Finanzierung der Frührente Arbeitgeber und Arbeitnehmer. Eine verdeckte Rentenbeitragserhöhung also - mit einem Unterschied: Von dem eingezahlten Geld sehen die unter 55-Jährigen keinen Pfennig wieder, weil das Frührentenmodell auf fünf Jahre begrenzt werden soll. Die Jüngeren werden schamlos abgezockt. Der positive Effekt am Arbeitsmarkt dürfte sich in Grenzen halten. Durch Vorruhestand freiwerdende Jobs werden gerne wegrationalisiert. Kein Ei des Kolumbus also hat Riester da präsentiert, sondern ein Windei."

"Bild-Zeitung": "Die Bundesregierung ist völlig durcheinander. Gestern sagten Kanzler und Arbeitsminister: Keine Rente mit 60, weil nicht bezahlbar. Jetzt heißt es: Doch Rente mit 60. Der neue Finanzierungsvorschlag erinnert mehr an David Copperfield als an praktische Politik. Ähnlicher Wirrwarr beim Umgang mit Privatvermögen. Erst keine Vermögensteuer, weil nicht verfassungsgemäß, nicht machbar und nicht ergiebig. Nun wohl doch Vermögensabgabe. Auch wieder so ein Zauberkunststück. Es ist verständlich, dass die Bundesregierung die Wähler beschwichtigen will. Aber bitte nicht mit Hin und Her, heute so und morgen so. Und schon gar nicht mit Taschenspielertricks. Deutschland ist kein Zirkus."

"Frankfurter Rundschau": "Es ist das vorläufige Ende des falschen Streits. Das Thema "Rente mit 60" ist ab sofort dorthin überwiesen, wo es vor allem hingehört: an die Tarifparteien. Der Streit, der die Debatte lohnt, fängt erst an. Dabei muss sich erst noch zeigen, wie kampfbereit die Gewerkschaften sind. Schließlich bleibt auch die große Schwäche des Rente-mit-60-Konzepts offenkundig: Die Profiteure sind einige wenige Jahrgänge, während alle anderen durch Lohnverzicht in die Tariffonds einzahlen sollen. Nachdem die Gewerkschaften sich an weitere Wochenarbeitszeitverkürzungen noch nicht herantrauen, ist es wieder mal ein Modell für den Mann mit Normalarbeitsleben im Großbetrieb. Dennoch bleibt richtig: Kein Weg, der Neueinstellungen möglich macht, darf ausgeschlossen werden. Jetzt ist dieser Weg offen, den Worten Taten folgen zu lassen."

"General-Anzeiger", Bonn: "Jetzt haben die Drohungen von IG-Metall-Chef Klaus Zwickel, das "Bündnis für Arbeit" zu verlassen, fürs Erste doch gefruchtet: Nach wochenlanger Weigerung will sich Bundesarbeitsminister Walter Riester auf einen fünfjährigen Modellversuch der Frühverrentung einlassen. Nur: Wenn Riester meint, sein Versprechen stabiler oder gar sinkender Rentenbeiträge durch die angestrebte Lösung zu halten, dann irrt der SPD-Mann. Denn für die Arbeitnehmer wäre ein Verzicht auf Lohnerhöhung, um die Tariffonds zu finanzieren, eine verkappte Rentenbeitragserhöhung. Das Geld wäre besser aufgehoben, wenn es einer privaten Altersvorsorge zu Gute käme. Denn die Jungen, die jetzt die Frühverrentung möglich machen sollen, werden selbst nichts davon haben. Riester hat den Ball geschickt ins Feld der Tarifparteien gespielt zumindest die Arbeitgeber sagen kategorisch Nein."